Vegan oder nicht vegan: das ist hier die Frage!

Ob ein scheinbar veganes Lebensmittel wirklich zu 100% vegan ist, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen – mit uns und auf den zweiten aber schon!

Wir waren neulich bei Freunden eingeladen, die selbst auch Veganer sind, vielleicht nicht ganz so Konsequente wie wir, aber sie sind es vor allem dann, wenn es ums Essen geht. Gut so – was wir alle an diesem Abend allerdings nicht so gut fanden war der Nachtisch. Denn der hatte es in sich. Um genauer zu sein: er hatte E120 in sich.

Sagt Euch nichts? Sagte uns zunächst auch erstmal nichts. Unsere Freundin Betty hatte sich an diesem Abend etwas Besonderes ausgedacht und ihren Apple Crumble, den es zum Nachtisch geben sollte, mit ein wenig Erdbeer- und Kirschmarmelade gepimpt. Leider waren die Marmeladen nicht selbst gemacht, sondern aus dem Supermarkt. Das Problem dabei: das ominöse E120, das wir als Inhaltsstoff auf den Marmeladengläsern gefunden hatten. Jetzt würde ja jeder Veganer erstmal bei der Behauptung, dass Marmelade vegan ist, mit dem Kopf nicken. Tja – aber es gibt eben auch die nicht-vegane Marmelade, die mit dem E120 drin.

Wer will schon Schildläuse zum Nachtisch?

E120 steht für den Farbstoff Karmin, auch Cochenille genannt. Karmin ist ein organischer, roter Farbstoff, der aus weiblichen Schildläusen gewonnen wird. Für nur 1kg dieses Farbstoffes sind über 100.000 Schildläuse nötig. Zur Gewinnung der Farbe werden die Läuse getrocknet und in Wasser, unter Zusatz von etwas Schwefelsäure, ausgekocht. Der so extrahierte Farbstoff wird neben Konfitüren und Marmeladen auch zum Färben von Fruchtzubereitungen, Süßigkeiten, Spirituosen, Wurst und Käse verwendet. Karmin kann bei empfindlichen Personen zu Pseudoallergien in Form von Hautausschlag, Atemwegsbeschwerden oder verschwommenem Sehvermögen führen. Karmin kann aber auch zu einem bleichen Schreckgesicht bei Veganern führen, wenn diese – so wie wir – plötzlich merken, was sie da eigentlich gerade gegessen haben.

Sherlock Holmes ermittelt vegan!

Wachgerüttelt durch dieses Erlebnis, haben wir uns einmal des Themas der versteckten Inhaltsstoffe vermeintlich veganer Produkte angenommen und für Euch ein wenig im Netz recherchiert. Das Ergebnis: es scheint eine Menge veganer Lebensmittel zu geben, die vielleicht doch nicht so vegan sind, wie sie auf den ersten Blick daherkommen.

Beispiel Fruchtsaft
Zugegeben, auch wir haben große Augen gemacht, als wir feststellen mussten, dass nicht alle Fruchtsäfte zwangsläufig vegan sind. Denn zur Klärung von Fruchtsäften verwendet die Industrie Gelatine, die in der Regel tierischen Ursprungs ist und aus der Massentierhaltung stammt. Laut Foodwatch soll nahezu jeder dritte Apfelsaft mit Gelatine behandelt sein. Unser Tipp: Säfte selber pressen – oder beim Einkauf die Zutatenliste genau studieren. Das ist gerade beim Thema Saft allerdings nicht so einfach, da Hilfsmittel für die Produktion, die nicht im Produkt verbleiben (wie eben meistens die Gelatine), auch nicht auf der Zutatenliste deklariert werden müssen. Alternativ könnt Ihr noch beim Hersteller Eures Lieblingssafts anrufen und nachfragen. Wer aber ganz, ganz sichergehen will, kauft sich am besten eine Saftpresse – und ein paar schöne Obstbäume.

Beispiel Wein
Auch Wein wird in aller Regel geklärt. Meist ebenso wie Fruchtsaft mithilfe von Gelatine aus Tierhaut und Tierknochen. Es gibt zum Glück aber immer mehr Winzer, die ihren Wein lieber mit Kieselerde, Mineralerde oder Bentonit (einem Mehl aus Schiefergestein) klären. Letzteres hat zudem den Vorteil, dass es auch die biogenen Amine, wie das Histamin, zu großen Teilen aus dem Wein entfernen kann und ihn damit bekömmlicher und verträglicher macht. Wein ohne Gelatine-Klärung kann man übrigens ganz gut am veganen Zeichen erkennen. Bei unseren Winzerbesuchen ist uns dazu aber etwas Verrücktes aufgefallen. Es gibt nämlich Winzer, die zu 100% veganen Wein herstellen, ihn aber nicht als vegan deklarieren. Stellt sich die Frage: warum machen die das? Die Antwort unserer Winzer: unter Weinliebhabern hat ein veganes Label eben kein besonders gutes Standing und beeinflusst subjektiv wohl den Geschmack des Weins negativ. Unser Tipp an dieser Stelle: fragt einfach Euren Winzer, womit er seinen Wein klärt und schönt. Oder greift direkt zu Bio- und Demeter-Weinen, da dabei auf den Einsatz von Gelatine tierischen Ursprungs verzichtet wird.

Beispiel Backwaren
Was glaubt Ihr: habt Ihr schon mal Schweineborsten oder Hühnerfedern gegessen? Wir gehen jede Wette ein, dass Ihr genau das habt. Glaubt Ihr nicht? Bitteschön: Brotteig kann mitunter die Aminosäure L-Cystein enthalten, die eben aus Schweineborsten oder Hühnerfedern hergestellt wird. Der Bäcker verwendet sie, um seinen Brot- und Brötchenteig geschmeidiger zu machen. Leider können wir als Veganer nur schwer erkennen, ob L-Cystein bei der Teigherstellung verwendet wurde, da bei lose verkauften Backwaren die Inhaltsstoffe nur auf einer in der Bäckerei ausliegenden Liste angegeben werden müssen. Unsere Erfahrung mit diesen Listen sind allerdings nicht besonders gut. Wer fragt schon morgens, wenn die Bäckerei voll ist und es alle eilig haben, nach einer Zutatenliste? Hinzu kommt: manche Listen sind unvollständig oder es sind nicht alle Backwaren darin enthalten. Abgepackte Backwaren aus dem Supermarkt sind hier allerdings auch keine Lösung, da diese ganz oft noch mehr Zutaten künstlicher Art enthalten, die man eigentlich nicht in seinem Brot haben möchte. Unser Tipp: sucht Euch einen Bäcker, der wirklich noch selbst backt und fragt ihn – wenn mal nicht soviel im Laden los ist – nach seiner Zutatenliste. Oder ihr backt einfach selbst.

Beispiel Zucker
Auch wir haben gezuckt beim Zucker. (Sorry, der musste jetzt einfach sein.) Zucker – nicht vegan? Wie soll das denn gehen? Tja: der Industrie fällt immer wieder etwas Neues ein. Denn vor allem nicht-europäische Raffinerien entfärben den Rohzucker in Filteranlagen, die mit Knochenkohlefiltern arbeiten. Im Gegensatz zu deutschen und europäischen Raffinerien, die laut eigener Aussage nur Entfärbungsmittel auf Pflanzenbasis verwenden, ist dieser Zucker dann eben nicht vegan. Unser Tipp: deutschen und europäischen Zucker bevorzugen.

Beispiel Ei-Ersatzpulver
Die übliche Zutatenliste eines Ei-Ersatzpulvers sieht so aus: Maisstärke, Emulgator (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), Verdickungsmittel (Xanthan)…… Vielleicht läuft einem dabei nicht unbedingt das Wasser im Mund zusammen, aber auf den ersten Blick hält es auch einem Blick mit der veganen Brille stand. Wenn… ja, wenn da der Emulgator nicht wäre. Denn Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren sind nicht immer pflanzlichen Ursprungs und können auch aus tierischen Bestandteilen gewonnen worden sein. Das jedoch lässt sich nur anhand der Zutatenliste nicht erkennen. Deshalb unser Tipp: schaut nach Ei-Ersatzpulvern auf der Basis von Lupinenmehl. Damit gelingen traditionell mit Ei zubereitete Rezepte wie Rührkuchen, Pfannkuchen, Waffeln, Nudeln, Gemüsegratins und Aufläufe ganz leicht und vor allem 100% vegan.

Allein diese 5 Beispiele zeigen, wie man als Veganer schnell in die Zutatenfalle der Industrie laufen kann. Die große Gemeinheit der Hersteller dabei: sie verstecken viele bedenkliche Zutaten hinter E-Nummern und machen es damit uns (veganen) Verbrauchern beim Einkauf nahezu unmöglich, die richtigen Produkte auszuwählen. Haha – aber die E-Nummern-Barone haben nicht mit uns gerechnet. Denn wir haben einen ganz einfachen Trick gefunden, wie man sich beim Einkauf im Reformhaus oder Supermarkt auf die sichere Seite begeben kann: mit unserer E-Nummern-Negativ-Liste.

Statt also beim Einkauf immer eine Liste mit E-Nummer dabei zu haben, reicht es schon, sich die E-Nummern zu merken, hinter denen sich Zutaten nicht veganen Ursprungs verbergen. Wir haben die einfach alle wie Vokabeln auswendig gelernt und rufen sie beim Einkaufen jetzt immer aus dem Gedächtnis ab. Freunde von uns waren nicht so fleißig und haben die Nummer auf einem kleinen Zettel in der Geldbörse stecken. Ihr müsst dabei im Supermarkt nicht mal unbedingt wissen, was sich hinter den Nummern verbirgt – die Nummern ausschließen zu können, genügt schon völlig.

Die E-Nummern-Negativ-Liste von total vegan

  • E120 – Karmin, der rote Farbstoff der Schildlaus
  • E270 – Milchsäure
  • E322 – Lecithin, meist tierischen Ursprungs
  • E471 – Mono- und Diglyceride Speisefettsäuren
  • E620 – Natriumglutamat, kann auch tierischen Ursprungs sein
  • E901 – Bienenwachs
  • E904 – Schellack, ein Sekret von Insekten
  • E920 – L-Cystein, für Backwaren

Neben den E-Nummern gibt es allerdings auch noch einige nicht-vegane Inhaltsstoffe, die sich hinter harmlos klingende Namen verstecken. Findet Ihr die auf der Zutatenliste: besser Finger weg von dem Produkt!

  • Isinglass – eine Art Gelatine aus Fischblase
  • Ghee – geklärte Butter
  • Kasein – ein Milchprotein
  • Lanoloin – Wollwachs
  • Gelatine – in der Regel aus tierischen Bestandteilen
  • Talg – gehärtetes Tierfett
  • Vitamin D3 – wird aus tierischen Bestandteilen gewonnen

So, wir gehen jetzt erstmal Einkaufen und kochen uns danach was Leckeres. Ganz ohne E-Nummern. Ganz ohne tierische Bestandteile. Und dank unserer List mit der Liste auch ganz ohne vorherigen Einkaufsstress!

In veggies we trust!

Foto: istock.com/gilaxia

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